Elmar L. Kuhn

Das Ende der Grafen von Montfort


 

„das Augenmerk auf die Erlangung der ganzen Grafschaft Montfort zu richten“1

Der Aufklärer Wilhelm August Wekherlin zeichnet in seiner fiktiven „Reise durch Oberdeutschland“ 1783 eine Karikatur der oberschwäbischen Kleinstaatenwelt: „Die Regenten der kleinen Staaten, welche den Strich von Oberschwaben, längs dem Schwarzwalde hin, bewohnen, herrschen öfters wie die Nabas in Indien. Sie haben ihren Hofstaat, ihre Armeen, ihre Vezire, und ihre Serails.“2Bei heutigen Historikern fällt das Bild nicht viel freundlicher aus. Nach Volker Press stürzten sich manche oberschwäbischen Grafen und Ritter „in eine Orgie der Verschwendung“3. Sowohl die „Erfordernisse einer verstärkten Bürokratisierung“ wie „die barocke Selbstdarstellung im höfischen Gewande [haben] gerade die kärglichen Mittel der Reichsgrafschaften oft zum Äußersten angespannt“4, so dass die Mediatisierung letztlich unvermeidlich gewesen sei. Als Beispiel für Misswirtschaft wird gerne das Haus Montfort angeführt, das auch in die neueste Auflage des Gebhardt Aufnahme gefunden hat: „Die kleine oberschwäbische Grafschaft Montfort ging 1776 [!] sogar endgültig bankrott und wurde daraufhin von Österreich übernommen.“5Dieses Urteil kann sich auf die ältere Hausgeschichtsschreibung stützen. Nach Vanotti 1845 haben „Mangel an Sparsamkeit und eines geordneten Haushaltes“ den „Verfall dieser edlen Familie herbei“ geführt6. Vernichtender urteilt Kastner 1957: „Statt die Kriegswunden zu heilen, Wirtschaft und Finanzen zu ordnen und zu heben, frönten sie, [...] als echte Barockmenschen ungezügelt und hemmungslos ihrer Baulust und Prachtliebe und besiegelten so ihren Untergang.“7Auch in einem neueren Beitrag zum montfortischen Schuldenwesen sieht Susanne Herrmann 1999 die „Hauptursache der finanziellen Misere [...] in den für eine Herrschaft dieser Größe überzogenen Kosten für eine standesgemäße Hofhaltung“8.

Eine Durchsicht der Quellen zum Finanz- und Schuldenwesen der Grafen ergibt ein komplexeres Bild. Der Herrschaftsverlust der Grafen ist maßgeblich auf die zielgerichtete Territorialpolitik Österreichs zurück zu führen. Im Zusammenhang mit weiteren Erwerbungen Österreichs im nordöstlichen Bodenseeraum könnte man zugespitzt von einer Politik der ‚österreichischen Immediatisierung vor der napoleonischen Mediatisierung’ sprechen.

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