Elmar L. Kuhn

Die schwäbische Provinz des Paulinerordens ...


Die Klöster

Konventsgrößen104

Jahr

zusam- men

Lang- nau

Rohr- halden

Bonn- dorf

Grün- wald

Tann- heim

außerh. Provinz

1718

36

13

10

4

4

3

2


.

3 RF

1 Conv.

1 RF

1 Nov.





1724

36

14

12

4

3

3




6 RF

1 Conv.

6 RF

1 Conv





1733

40

12

14

8

3

3




2 RF

1 Conv.

5 RF

3 Nov.

1 Conv





1739

46

16

13

10

4

3




4 RF

1 Conv.

5 RF

1 Conv.





1760

50

15

18

10

4

3




3 RF

1 Conv.

1 RF

1 Nov.





1769

42

15

11

9

4

3




7 RF

1 Conv.






1772

44

17

10

10

4

3




9 RF

1 Conv.






1779

44

19

10

9

3

3




4 RF

3 Nov.

1 Conv.






1794

16



10

3

3






2 RF

1 Nov.




1802

14



8

3

3


Abkürzungen: Conv. = Laienbruder / Nov. = Novize / RF = Professen vor der Priesterweihe

Die Ordensüberlieferung nennt 16 Klöster, die im Spätmittelalter zur deutschen Provinz gezählt haben sollen105. Drei davon können bisher nicht identifiziert werden, aber 18 Gründungen lassen sich heute lokalisieren106. Diese bestanden freilich nie alle gleichzeitig. Allein sieben werden in dem Jahrzehnt zwischen 1351 und 1360 erstmals genannt (Ebnit, Tannheim, Rohrhalden, Argenhardt, Gundelsbach, Kirnhalden, Grünwald). Es folgten in Abständen Blümlistobel (um 1366) und Donnersberg (1370), in den 1380ern wurden drei Klöstern gegründet (Goldbach, Rotes Haus, St. Peter) und in den zehn Jahren zwischen 1396 und 1405 wieder vier (St. Oswald, Bonndorf, Anhausen, Langnau), zuletzt bezogen die Pauliner 1437 Maihingen. Doch vor der letzten Stiftung Maihingen gingen bereits wieder drei Klöster ein (Ebnit, Blümlistobel, St. Oswald) und auch Maihingen hatte nur kurz Bestand. Noch vor der Reformation wurde auch das Rote Haus bei Basel aufgegeben107. Den Folgen der Reformation fielen 1555 bis 1585 sechs Konvente zum Opfer (Donnersberg, Gundelsbach, Goldbach, Anhausen, St. Peter, Kirnhalden). Argenhardt geriet wohl bald nach der Übergabe des benachbarten Langnau an die Pauliner in dessen Abhängigkeit. Außer einigen Prioren und einem Konversen sind von Argenhardt nach 1405 keine weiteren Mönche bekannt. Der letzte Prior amtierte in Argenhardt 1627-31, danach wurde es vom Langnauer Subprior verwaltet. 1672 wurde Argenhardt förmlich mit Langnau vereinigt. 1718 drängte der Ordensgeneral darauf, in Argenhardt, „ubi residentia et ecclesia extructa est“, wieder ein Priorat mit zwei Personen zu errichten, wie es früher bestanden habe. Das Provinzdefinitorium lehnte dies ab, da Argenhardt zu nahe bei Langnau liege und die Ausstattung für den Unterhalt von zwei Personen nicht ausreiche108. Auch andere Ausdehnungsprojekte scheiterten. Der Graf von Hohenems erwog 1650, Kloster Ebnit wieder zu begründen, als der Orden kaum die bestehenden Klöster besetzen konnte109. 1721 betrieb der Pfarrer von Halsbach im Bistum Augsburg die Gründung eines Paulinerklosters, wohin schon zwei Patres entsandt worden waren, doch wurde auch dieser Versuch rasch wieder aufgegeben110. 1725 fragte St. Blasien, das eben die drei Wilhelmitenklöster Klingnau, Mengen, Sion erworben hatte, bei den schwäbischen Paulinern an, „weil ... Mengen zu weit von St. Blasien war ..., ob es nicht anständig, wenn Mengen mit dem Bonndorfer Klösterl permutiert könnte werden pro melioratione utriusque loci“. Eine Woche verhandelte der Provinzial im Schloß Bonndorf mit dem St. Blasianer Prior, „endlich ist doch nichts daraus worden, als dass viele Pauliner in die Ungnade Rdmi. Abbatis gefallen“111.

Nach den tridentinischen Konstitutionen sollte jeder Konvent mindestens 12 Angehörige zählen112. Diese Zahl überschritten nur Langnau im 18. Jahrhundert und Rohrhalden in den Jahrzehnten dieses Jahrhunderts, als sich hier das Noviziat der Provinz befand. Nach dem Kirchenrecht galt als „formiertes Haus“ eine Niederlassung, in der wenigstens sechs Professen lebten, von denen vier Priester sein mußten113. Diese Bedingung erfüllte ab den 1730er Jahren auch Bonndorf. Die kleineren Klöster wurden von den Paulinern „Residenzen“ genannt114, gelegentlich findet sich auch die Bezeichnung Eremitorium. Während ihres ganzen Bestehens blieben Grünwald und Tannheim Residenzen und waren damit keine vollwertigen Konvente, was aber nur zur Folge hatte, dass sie keine „discreti“ zum Provinzkapitel entsenden konnten und hier keine Subprioren eingesetzt wurden. Am Ende der Existenz der schwäbischen Provinz wurden alle drei verbliebenen Klöster als „ascetorii“ bezeichnet115.

Nur in der Gründungsurkunde von Langnau von 1405 wurde eine Mindestgröße des Konvents von fünf Priestern vorgeschrieben116. Für Grünwald wurde 1362 eine Obergrenze von zehn Brüdern festgelegt, die nie erreicht wurde117. Da Argenhardt, Rohrhalden, Grünwald und Anhausen als Einsiedeleien dem Orden übergeben wurden, dürften sich an diesen Orten zunächst kaum mehr als zwei Pauliner aufgehalten haben. Im 16. und bis in 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts waren alle Klöster sehr schwach besetzt. Langnau und Tannheim wurden im Bauernkrieg geplündert, Tannheim wurde in Brand gesteckt118. Im 30jährigen Krieg litten alle Klöster. Etliche Konventualen flüchteten nach Ungarn119, in Rohrhalden brachten die Schweden den Prior und einen Laienbruder um120. 1643 bestand die ganze Provinz noch aus 22 Patres121. 1650 berichtete die Provinz dem Generalkapitel, dass alle “loca ipsa ab hoste partim combusta, partim direpta et per se collapsa ac in ... paupertatem redacta“ seien122. Genaue Zahlen für einzelne Konvente sind aus dieser Zeit nur wenige überliefert. 1582 befanden sich in Rohrhalden außer dem Prior nur zwei Konventualen, 1602 waren es drei123. In Langnau bildeten 1691 fünf Mönche den Konvent124. 1726 musste der Provinzial zugeben, dass für Bonndorf der Gründungsauftrag, der „ein Kloster, auch klösterlichen Gottesdienst und Disziplin anfordert, so bereits über 300 Jahre, zwar teils wegen Abgang genügender proventuum, teils wegen verschiedener abwechselnder Unglücksfälle unmöglich vollzogen“ werden konnte, aber „allzeit in Bonndorf einen Prioren canonice electum gehalten, qui sine jure monasterii regularis nec esse, nec concipi potest“125. Nach dem 30jährigen Krieg wirkte in Bonndorf nur der Prior. Als St. Blasien als Landesherr eine Vermehrung der Religiosen forderte, konnte der Provinzial nur einen weiteren Pater als „Adjunkt“ entsenden126. 1714 bis 1721 stieg die Zahl der Religiosen von drei auf vier. Als der General mehrfach drängte, den Konvent zu vergrößern127, versagte die Fürstabtei zunächst die Zustimmung, genehmigte aber 1731 die Erweiterung des Klosters bis zu einer Höchstzahl von acht Religiosen128. 1736 erlaubte der Fürstabt zehn Konventualen129. Grünwald konnte 1654 wegen „paucitas sacerdotum“ die Pfarrei Kappel nicht mehr versehen, erst ab 1668 weilten wieder zwei Patres in Grünwald, ab 1703 konnte ein dritter und ab 1739 ein vierter Pater dorthin entsandt werden130. In Tannheim befand sich 1561 nur ein kranker Prior, dem dann von Langnau ein weiterer Konventuale geschickt wurde131. Nach dem 30jährigen Krieg lag es eine Zeitlang ganz verödet. Mehrfach verlangte der Graf von Fürstenberg, das „Gottshüsli“ wieder zu besetzen, aber der Provinzial entgegnete, das Kloster liege noch in Ruinen und sei unbewohnbar. Es wurde sogar erwogen, Bonndorf, Grünwald und Tannheim, „welche zusammen schwerlich fünf Patres erreichen können“, zusammenzulegen132. Erst nach einer Beisteuer Fürstenbergs konnte das Kloster Tannheim wieder bezogen werden. Mehr als drei Mönche hielten sich dort nie auf.

Im 18. Jahrhundert ermöglichte die wirtschaftliche Erholung einen langsamen Anstieg der Konventsgrößen, wie die Tabelle am Anfang dieses Kapitels zeigt.

Die ganze Paulinerprovinz zählte in der frühen Neuzeit mit ihren sechs bzw. fünf Klöstern nie mehr Mitglieder als ein mittleres Reichsstift in Oberschwaben. Die Konstitution „Instaurandae“ Papst Innozenz’ X. „De supressione parvorum conventuum“ wandte sich 1652 gegen eine Reihe von Missständen, die auch unsere schwäbischen Paulinerklöster betrafen, wurde jedoch gegen sie nicht angewandt133.

„Ein Kloster ist ein von der Außenwelt relativ abgeschlossener ... Wohn und Werkbereich, in dem Männer oder Frauen ... in (Güter)Gemeinschaft ihr geistliches Leben ... mit ... Gott zu vereinen trachten“134. Ein Kloster ist also in erster Linie eine geistliche Gemeinschaft, u. U. eine Stätte der Produktion und Rezeption von Wissenschaft135, es ist eine soziale Gemeinschaft, bildet oft eine wirtschaftliche Einheit, spielt eine politische Rolle und hat in seinem Erscheinungsbild eine Zeichenfunktion.

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