Elmar L. Kuhn

Schwierige Verbindung schwäb. Provinz - Ordensleitung


Integration der Provinz

Das Problem der Systemintegration stellte sich für die Provinz im Prinzip genauso wie für den gesamten Orden. Aber die Voraussetzungen waren in der Provinz ungleich günstiger. Die schwäbischen Klöster lagen maximal drei Tagreisen von einander entfernt im geschlossenen kulturellen Umfeld des katholischen Schwabens. Die Formation der Professen der Provinz erfolgte im Noviziat und für die meisten im Studium gemeinsam. An der Provinzleitung waren alle Prioren und bei den Provinzkapiteln auch discreti der drei größeren Konvente beteiligt, das Provinzkapitel wählte wiederum alle Prioren und Subprioren und beriet negotia provinciae ad introducendum uniformitatem in omnibus monasteriis.129 Der Provinzialprior hatte alle Konvente einmal im Jahr zu visitieren.130 Regelmäßig wurden die Mönche in den Konventen ausgewechselt. Das einzelne Kloster bildete eine ökonomische, geistliche und bauliche Einheit, die Provinz bildete die soziale Einheit. Das traf in dieser Strenge erst seit den Konstitutionen von 1643 zu. Vorher gelobte der Mönch in seiner Profess die benediktinische stabilitas in dem Kloster, in dem er das Noviziat absolviert hatte. Die einzelnen Konvente genossen eine größere Selbständigkeit, bisweilen konnte sich der Provinzialprior kaum gegen sie durchsetzen, so klagte er 1593: Wir bedürffen kains provincials, wan er niemant nix zu verbietten […] hat,[…] main macht ist zu schwach.131

Nach dem 30jährigen Krieg und durch die neuen zentralistischeren Konstitutionen stabilisierte sich die Organisation der Provinz. Man gewinnt nun den Eindruck eines jeweils über Jahrzehnte hinweg stabilen Machtkartells, das unter sich die Positionen des Provinzialpriors, des Vizeprovinzials, der Definitoren und der Prioren verteilte.132 Diese Machtbalance wurde nur noch zweimal gefährdet: 1760 in den Auseinandersetzungen um die Trennung der Provinz vom Orden und nochmals 1781, als nach dem Tod des Provinzialpriors der vicarius provincialis gubernans wegen dissentiae, et animorum differationes tum mutuo inter fratres, tum contrasuperioritatem die Ordensleitung zu Hilfe rufen mußte. Dem Generalsekretär als Visitator gelang es, die schwäbischen Patres wieder ad stabiliendam pacem et unionem animorum zurück zu führen, kurz bevor 1784 die Auflösung der Provinz verfügt wurde.133 Wie sehr die Provinz als Einheit begriffen wurde, zeigte sich nach 1787, als die Konventualen der drei verbliebenen kleinen Konvente von Bonndorf, Grünwald und Tannheim die Wiederherstellung eines Provinzverbands forderten, damit der Wechsel von Konvent zu Konvent wieder möglich sei. Andernfalls sei ihre Profess hinfällig, die sie auf die Provinz und nicht auf das einzelne Kloster abgelegt hätten. Nachdem nun der Orden in den habsburgischen Ländern aufgehoben worden war und sich damit auch die Ordensleitung im ungarischen Maria Tal aufgelöst hatte, unterstellte sich die restliche provinciola wie schon 1760 angestrebt dem Bischof von Konstanz. Aber auch er konnte 1802/03 und 1806 die Aufhebung der restlichen Klöster nicht verhindern.

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