Elmar L. Kuhn

Schwierige Verbindung schwäb. Provinz - Ordensleitung


Integration durch Information

Integration setzt kontinuierliche Information voraus, damit die Organisationsspitze gegebenenfalls eingreifen kann. Die regelmäßige Information der Ordensleitung über die Provinzen sollte durch regelmäßige jährliche schriftliche Berichte des Provinzialpriors, die Berichte der Vertreter der Provinzen in den Generalkapiteln, die Möglichkeit, dort postulata vorzutragen, die Generalvisitationen der Provinzen alle drei Jahre und das folgende Präsidium der Provinzkapitel sicher gestellt werden.

Die schriftlichen Jahresberichte wurden wohl nicht regelmäßig erstattet, nur wenige Auszüge haben sich erhalten, etwa 1742, dass regularem disciplinam per memorataeprovinciae conventus bene administrari oder vorsichtiger 1754: in visitationibus annuis nullum deprehendi notabilem defectum, sed potius secundum fragilitatis humanae possibilitatem, debitam disciplinae regularis, et ordinationum tam generalium, quam provincialium observantiam.65

Die Berichte de statu provinciae beim Generalkapitel fielen meist ebenso kurz und positiv aus, z. B.:

1699: quod in sua provincia floreat pax et quies, ubi etiam arp provincialis se exhibet in administratione sui officii diligentem.66

1709: quod provincia illa plus Deo volente proficit quam deficit et personae multiplicant.67

1736: In spiritualibus dictam provinciam proficere, nec compertum fuisse de defectibus, aut excessibus […], in temporalibus vero proficere .68

Später häuften sich die Klagen über schlechte Zeiten und Bedrückungen durch die Landesherren. Konkreter formulierten die Berichte meist nur Nachrichten über Baufortschritte oder die Beschwerden.69 Das Übel kam fast immer von außen: schlechte Ernten, Kriegsläufe oder Landesherren. Manchmal allerdings, wenn die Vertreter keinen eigenen Vertreter schickte, musste der ablegatus bekennen, man hätte ihm keinerlei Nachrichten aus der Provinz übermittelt.70

Im 17. und Anfang des 18. Jh. nutzte die Provinz intensiv die Möglichkeit, dem Generalkapitel umfangreiche postulata vorzutragen, bis 1730 bei 19 Generalkapiteln insges. 107 Punkte. Anfangs ging es meist um Interpretationen der neuen Ordenskonstitutionen. Die Provinz forderte Texte der Ordensprivilegien an, erhoffte die Reduktion von Pflichten, etwa des Fastens, des Chorgebets oder von Jahrtagen, holte die Zustimmung zu Verkäufen ein. Immer wiederkehrende Probleme waren das Chorgebet um Mitternacht, die Kumulation der Ämter des Provinzials und Priors, die hohen Kosten für die Generalkapitel und -visitationen sowie die Bitte um Unterhaltszuschüsse der anderen Provinzen für schwäbische Studenten. Die Ablehnung gerade der den Schwaben wichtigen Forderungen veranlasste sie, Unterstützung bei ordensexternen kirchlichen Organen zu suchen, mit Erfolg 1732 beim päpstlichen Nuntius in Luzern, ohne Erfolg 1760 beim Bischof von Konstanz und in Rom. Nach dem Erfolg von 1732 und aufgrund der deprimierenden Erfahrungen über die Erfolgsaussichten der postulata bei den Generalkapiteln, brachte die Provinz in der Folgezeit nur noch bei fünf Generalkapiteln insg. 13 Beschwerden ein, davon allein sechs 1760 bei ihrem Trennungsversuch vom Orden.71 Das Instrument der postulata funktionierte zeitweise als Medium der beidseitigen Informationsübermittlung. Es versagte als Frühwarnsystem, da die Ordensleitung glaubte, den Erhalt der uniformitas als vorrangiges Organisationsziel zu gefährden, wenn sie den Anträgen der Provinz entsprach.

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